Wahr oder erfunden?
Wahr oder erfunden?In diesem Krimi fliegt der Zeppelin zum ersten Mal über Berlin, durch die Straßen fahren Elektrotaxen und Straßenbahnen, Wissenschaftler erforschen die Chemie der tragenden Gase und den drahtlosen Funkverkehr. Das Kaiser-Wilhelm-Institut wird gegründet. Die realen Ereignisse, die die Grundlage für die Handlung bilden, haben sich nicht exakt an den Tagen und in den Wochen ereignet, in denen der Krimi spielt. Im Wesentlichen sind es die Jahre 1909 bis 1912, vereinzelt bis 1914, die ich hier zu einer zeitlichen Dichte verwoben habe. Den ersten Flug über Berlin und den Empfang durch Kaiser Wilhelm II. erlebte der Zeppelin tatsächlich am 29.August 1909. Das Kaiser-Wilhelm-Institut wurde im Jahr 1911 gegründet. Ähnlich verhält es sich mit den Figuren, die im Krimi auftreten. Viele von ihnen sind realen Personen nachempfunden. Melli Beese und Bruno Baguschke (der Name ist leicht verändert) gab es wirlich. Sie gehörten zum Kreis der Männer und Frauen, die sich der Fliegerei verschrieben hatten und auf dem noch nicht einmal offiziell eröffneten Flugplatz in Johannisthal ihre Flugzeuge zusammenbauten, waghalsig das Fliegen übten und später Flugschulen betrieben. Die Fliegerin Melli Beese agiert unter ihrem wirklichen Namen. Sie war eine interessante, mutige Frau und verdient es, das wir sie nicht vergessen. Die Figur des Alfred Bluman ist dem Wegbegleiter des Grafen Zeppelin, Alfred Colsman, nachempfunden. Colsman war ein vehementer Enthusiast, bei seiner Arbeit für den Zeppelin wie auch im nationalen Gedankengut. Ich habe großen Wert auf einen achtungsvollen Umgang mit dieser Person gelegt. Als ich ihm seine wichtige Rolle in der Handlung gab, hat er von mir (erdachte) Eigenschaften bekommen, die ich für die reale Person Colsman plausibel fand. Seine Begegnungen mit der Baronin Emmy von Branndenburg sind erfunden. In seinem Buch Luftschiff voraus! Arbeit und Erleben am Werk Zeppelins (Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Berlin 1933) berichtet Colsman von einem alten Mann, der den Grafen Zeppelin bei einem Aufenhalt in Berlin aufgesucht und behauptet hatte, das Geheimnis der Ballonstoffherstellung aus Goldschlägerhaut zu kennen. Auch Colsmans Absicht, die Zeichnungen der ersten von Carl Maybach entwickelten Motortype für 100 000 Mark an England zu verkaufen, als die verbesserte zweite bereits entwickelt war, ist in seinen Memoiren zu finden. Dort steht auch der Hinweis auf den liebenswürdigen englischen Marineattaché Watson und seine reizende Gattin, der Colsman durch Vermittlung einer befreundeten Dame zu einem Abendessen bitten lässt, um mit ihm über den Verkauf eines Zeppelins an England zu verhandeln. Dies gerade im Jahr 1912, als die Betriebsmittel der Luftschiffwerft und der Delag zur Neige gingen. Das Reichsmarineamt, was der finanziellen Notlage eigentlich hatte abhelfen sollen, war von Colsman vergeblich um die Bestellung von 20 Luftschiffen für Luftangriffe auf den Feind gebeten worden. Alle diese Hinweise wurden für mich zur Anregung, diesen Krimi zu schreiben. Die Figur des Ritters Albertus von Steißbein ist einem berühmten Zeitgenossen nachempfunden, der im Jahr 1914 zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physik ernannt wurde. Den Spitznamen Albertus Ritter von Steißbein hat Albert Einstein sich selber gegeben. Dagmar Scharsich |
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